Mehr Wissen = bessere Entscheidung?

In der Theorie klingt es logisch: Je mehr Informationen wir haben, desto besser sind unsere Entscheidungen. In der Praxis passiert jedoch häufig das Gegenteil. Gerade bei einfachen, alltäglichen Entscheidungen führt die Informationsflut heutzutage zu Unsicherheit, verzögert die Entscheidungsfindung und im Nachhinein sind wir oft nicht all zu glücklich mit der getroffenen Entscheidung.

Ob Hotelbuchung, Flugauswahl oder die Abendessensfrage. Wir leben in einer Welt permanenter Vergleichbarkeit, was das Leben nicht immer unbedingt einfacher macht.

Aber wieso? Das Stichwort ist „Informationsüberflutung“

Was ist Informationsüberflutung?

Informationsüberflutung beschreibt den Zustand, in dem unser Gehirn mehr Informationen verarbeiten muss, als es effizient bewältigen kann. Das Resultat ist kein besseres Urteil, sondern:

  • Entscheidungsparalyse
  • Erhöhte Unsicherheit
  • Mentale Erschöpfung
  • Geringere Zufriedenheit mit der getroffenen Wahl

Dieses Phänomen ist wissenschaftlich gut belegt und wird häufig als Choice Overload oder Paradox of Choice bezeichnet.

 

Das beste Beispiel: Urlaubsplanung

Am häufigsten stoße ich auf dieses Problem bei der Urlaubsplanung. Welches Hotel nehme ich? Welchen Flug oder Zug buche ich? Buche ich alles einzeln oder pauschal?
Für all diese Fragen gibt es hunderte an Portalen. Möglichkeiten sich verrückt zu machen.

Früher: Empfehlung + Preis → Entscheidung

Heute:

  • 300+ Hotels
  • 15 Filteroptionen
  • Hunderte Bewertungen
  • Unterschiedliche Plattformpreise

Ergebnis:
Man verbringt Stunden mit Vergleichen und fragt sich danach trotzdem, ob ein anderes Hotel besser gewesen wäre.

Ein anderes sehr präsentes Beispiel ist die Entscheidung, was man zu Abend isst. Fast jeder kennt es. Man ist zu faul zum Kochen, will ins Restaurant oder etwas bestellen. Dann fängt sie Misere an: „Was bestellt man?“

Da hat man fast Glück, wenn man in ländlicheren Regionen wohnt, wo die Auswahl der Lieferdienste und Restaurants beschränkt ist. Aber in der (Groß)Stadt? Zu viel Auswahl.

Nach gefühlten Stunden des hin und her Überlegens, gegebenenfalls auch noch einer Streiterei bestellt man eh wieder dort, wo man immer bestellt.

In jeder Facette des Lebens ist es mittlerweile so. Neue Kopfhörer Kaufen?

X verschiedene Plattformen, dutzende Filtermöglichkeiten, Preisvergleiche und Bewertungen. Man kämpft sich durch alles, nur, dass man dann die erste Wahl zurückgibt, weil man unzufrieden ist und da noch was Besseres sein könnte.

 

Doch wieso haben wir damit so große Probleme?

Begrenzte kognitive Ressourcen

Unser Gehirn arbeitet effizient mit Heuristiken (Faustregeln). Zu viele Optionen zwingen uns, analytisch zu vergleichen – das kostet Energie.

Angst vor Fehlentscheidungen

Je mehr Optionen existieren, desto größer wird die Angst, eine bessere Alternative zu verpassen.

Zu hohe Erwartungen

Viele Informationen erzeugen hohe Erwartungen. Werden diese nicht erfüllt, sinkt die Zufriedenheit – selbst wenn die Entscheidung objektiv gut war.

Verantwortungsgefühl

Mehr Informationen bedeuten subjektiv mehr Verantwortung. Wenn etwas schiefgeht, geben wir uns selbst die Schuld.

 

Nachdem wir uns jetzt der Probleme bewusst sind, wie wirken wir dagegen?

Zunächst sollten wir uns bewusst darüber sein, welche Tragweite die zu treffende Entscheidung haben wird. Ein Essen hat weniger Auswirkungen auf unser Leben als zum Beispiel eine Hotelbuchung. Nachdem wir dieses Bewusstsein geschaffen haben, helfen folgende Punkte orientieren:

Entscheidungskriterien vor der Informationssuche festlegen

Der häufigste Fehler ist, Informationen zu sammeln, bevor klar ist, wonach man eigentlich entscheidet. Legekriterien fest, die messbar sind.

  • Maximalpreis
  • Lage
  • Mindestbewertung

Alles, was diese Kriterien erfüllt, ist „gut genug“. Weitere Informationen liefern keinen entscheidungsrelevanten Mehrwert.

 

Informationsquellen begrenzen

Mehr Quellen verlängern die Entscheidungsdauer exponentiell.

Empfehlung:

  • maximal 1–2 Plattformen
  • keine zusätzliche „Kontrollsuche“
  • Wähle drei bis fünf Hotels und wähle aus diesen. Erweitere die Auswahl nur wenn alle Optionen ungenügend sind

 

Zeitlimits für Entscheidungen setzen

Entscheidungen dehnen sich aus, wenn kein Zeitrahmen existiert. Durch einen Zeitrahmen erzwingst du eine Priorisierung und reduzierst Perfektionismus.

 

Akzeptieren, dass Information immer unvollständig ist

Der Wunsch nach vollständiger Information ist einer der größten Verzögerungsfaktoren.

Die Realität ist:

  • Märkte sind unvollständig
  • Informationen sind zeitabhängig
  • Perfekte Entscheidungen existieren nicht

 

Der wahrscheinlich wichtigste Punkt ist aber dieser: Überdenke eine getroffene Entscheidung nicht im Nachhinein.

Du wirst feststellen, dass dein Gefühl immer dahin tendieren wird, dass du nicht die beste Entscheidung getroffen hast, wenn du weiter vergleichst und die Entscheidung immer wieder in Frage stellst.

 

Mehr Informationen führen nicht automatisch zu besseren Entscheidungen. Besonders bei Alltagsentscheidungen blockiert Informationsüberfluss unsere Handlungsfähigkeit und reduziert unsere Zufriedenheit.

Die Kunst liegt darin, Relevanz von Überfluss zu trennen und eine individuelle Balance zu finden.

Setze dir Rahmenbedingungen. Überlege dir, was dir wichtig ist, bevor du Informationen einholst.

Nicht mehr Informationen führen zu besseren Entscheidungen. Bessere Entscheidungsprozesse führen zu besseren Entscheidungen.